Colin Stetson © Richmond Lam für Monheim Triennale
Photo: Colin Stetson © Richmond Lam für Monheim Triennale

Colin Stetson (CA)

Colin Stetson ist Viele. Anders ist er schwer zu erklären. Ein herausfordernder Saxophonist, gerne auf dem Bass oder dem Alt aber auch auf dem Kornett und Waldhorn. Und wenn er ganz allein, ohne Netz und doppelten Boden, ohne jede Overdubs, zu hören ist, dann ist das immer Cinemascope: Breitbildkino, das Geschichten erzählt, bei denen man mitwippt.

Colin Stetson kommt aus Ann Arbor, Michigan. Das ist dort, wo die MC5 (also Wayne Kramers Protopunk) mit Sun Ra (also der kosmischen Verbindung zwischen 50er Jahre Doo-Wop und abenteuerlichen Weltraumreisen) in den 1960er Jahre miteinander gespielt haben. Und wenn man sich anschaut, mit wem Stetson in den letzten Jahren musiziert hat, Tom Waits, Arcade Fire, Bon Iver, Chemical Brothers, Evan Parker oder Hamid Drake, dann kann das nicht nur an seiner Herkunft aus Ann Arbor liegen. Seine Welt wird desto größer und komplexer, je näher und genauer man sie betrachtet. Stetsons distinkte Mischung aus avancierter Technik, Zirkulationsatmung, Überblasen, Klappenklappern usw. lässt eine Art symphonischen Minimal Techno (nur eben ohne Techno) erklingen, die ebenso weit vorne wie solide geerdet ist (schlag nach bei „New History Warfare Vol.1 – 3“).

Apropos Cinemascope: Ja, Colin Stetson hat zu über 25 Filmen, TV-Serien und Computerspielen Musik komponiert und eingespielt. Ein Lied von ihm wurde für „12 Years a Slave“ von Steve McQueen verwendet und dieser Film hat einen Oscar gewonnen. Zu „Color out of Space“, einer Lovecraft-Verfilmung mit Nicolaus Cage von 2019, für die Stetson so etwas wie maximalistischen Morricone entwarf, heißt es in der FSK-Freigabe: „Die Geschichte ist überwiegend ruhig erzählt und baut Spannung und Schrecken erst langsam auf, wobei insbesondere die intensive Farb- und Lichtgestaltung zentral ist. Je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr drastische Splatter-Elemente kommen ins Spiel. Diese grausamen Bilder und die Atmosphäre von Wahnsinn und Untergang können Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren überfordern.“ (SPIO FSK) Die Musik von Stetson ist entsprechend, eine Überforderung ist nicht festzustellen, eher, wie schon angedeutet, Cinemascope für die Ohren.

Ja, Colin Stetson spielt auch regelmäßig mit Greg Fox und Shahzad Ismaily, aber das sollte jetzt keine Überraschung mehr sein.

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