Hibo Elmi © De Lovie für Monheim Triennale
Photo: Hibo Elmi © De Lovie für Monheim Triennale

Hibo Elmi (UG)

„Normalerweise trete ich gerne allein auf, weil ich manchmal Momente der Angst verspüre und die Fehler so nur für mich Auswirkungen haben“, verriet die in Uganda lebende Künstlerin Hibo Elmi in ihrem Artist Talk während der Prequel-Ausgabe der Monheimer Triennale 2021. Doch diejenigen, die während dieser drei magischen Tage im Juli 2021 anwesend waren, erinnern sich daran, dass sie die Bühne mit vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern aus dem Programm teilte. Hibo erklärte, was sie dazu gebracht hat, ihr künstlerisches Ökosystem so drastisch zu verändern: „Als ich Greg Fox und Sam Amidon traf, kam die Idee auf, zusammen zu spielen. Zuerst war ich zu ängstlich – aber dann dachte ich: ‚Warum nicht? Es ist Zeit, aus meiner Komfortzone herauszutreten!‘ Obwohl sie nicht wussten, was ich spielen würde, hat es perfekt funktioniert.“ Mit dem Ergebnis, dass Hibo und ihre Kolleginnen und Kollegen buchstäblich die Tage zählen, bis sie ihre gemeinsame Klangreise auf der Bühne in Monheim am Rhein im Jahr 2022 fortsetzen können.

Dies ist nicht die einzige Offenbarung, die Hibo mit dem Publikum teilte. Sie gab auch Einblicke in die lokale Musikszene Ugandas: „Am Anfang, als ich mit dem Auflegen begann, gab es keine anderen Frauen in der Gegend. Jedes Mal, wenn ich irgendwo auftrat, zog mich ein Mann auf: ‚Das ist kein Frauenberuf!‘ Wir sollen im Club tanzen und nicht die Musik spielen. Also gründeten wir unseren eigenen kleinen Ort namens 154, wo wir uns selbst im Auflegen ausbildeten. Ein Produzent sagte zu mir: ‚Wenn eine Frau eine erfolgreiche Musikerin sein will, muss sie mit dem Produzenten schlafen!‘ – Nun, nicht wenn ich die Produzentin bin. Dann muss niemand mit irgendjemandem schlafen, so wie es sein soll, wir kommen zusammen, um Musik zu machen. Darauß hat sich eine große, fruchtbare Bewegung ergeben. Zuerst war es nur Spaß, aber jetzt spüren wir die Verantwortung, die Gesellschaft, in der wir leben, zu verändern. Ich sehe bereits positive Veränderungen.“

Um die musikalische Welt von Hibo Elmi besser zu verstehen, muss man ihren familiären Hintergrund in Somalia und später in Äthiopien kennen. „Als unsere Mutter aus ihrem Land floh, waren die einzigen Dinge, die sie mitnahm, ihre Musikkassetten. Jeden Morgen hörte sie sich diese an, um nachzuempfinden, wie es zu Hause war.“ Auf diese Weise konnten Hibo und ihre Zwillingsschwester Houdini (die auch bei der Monheimer Triennale 2022 auftreten wird) mit der Musik in die Heimat ihrer Vorfahren zurückreisen und die vielschichtige künstlerische Geschichte Somalias kennenlernen.

Alle Zitate stammen aus dem Artist Talk mit Thomas Venker im Rahmen der Prequel-Ausgabe 2021.

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