Marcus Schmickler © Albrecht Fuchs für Monheim Triennale
Photo: Marcus Schmickler © Albrecht Fuchs für Monheim Triennale

Marcus Schmickler (DE)

Als der Kölner Komponist Marcus Schmickler am Mittwoch, den 1. Juli 2020, in der Nähe des Rheinufers in Monheim am Rhein das Stück „Could You Patent the Sun?“ aufführte, schrieb er Musikgeschichte. Es war nicht nur die Weltpremiere seiner neuesten Klangkomposition, sondern auch die allererste öffentliche Aufführung der Monheimer Triennale. An diesem Tag arbeitete er mit Okkyung Lee und Jennifer Walshe – die beide im Vorfeld Musiksequenzen einsendeten – sowie mit vier Blechbläserinnen und Blechbläsern des Ensembles Musikfabrik vor der Kulturraffinerie K714 zusammen.

„Could You Patent the Sun?“ war ein 20-minütiger Vorgeschmack auf Schmicklers Komposition „Entwurf einer Rheinlandschaft“, die 2022 in Monheim in voller Länge aufgeführt werden soll.

Bei einem Besuch Anfang 2020 in seinem elektroakustischen Studio in Köln gab der Komponist einige Einblicke in diese Komposition, die von der Monheim Triennale in Auftrag gegeben wurde und von dem berühmten Zitat des amerikanischen Immunologen Jonas Salk inspiriert ist, der in den 1950er Jahren den Polio-Impfstoff entdeckte. Auf die Frage, ob er ein Patent für seinen Polio-Impfstoff angemeldet habe, antwortete er: „Es gibt kein Patent. Könnten Sie die Sonne patentieren?“.

„‘Entwurf einer Rheinlandschaft‘ wird am 22. Juni 2022 der Eröffnungsabend der Monheimer Triennale sein“, erzählt Marcus Schmickler. „Moment mal, Eröffnungsabend, war da nicht was? Die Eröffnung vom ‚ Ring des Nibelungen‘. Und worum geht es im ‚Ring‘? Um das Gold ... und darum, dass man Liebe und Menschlichkeit aufgeben muss, wenn man das Gold bekommen will. Inwieweit kann ich das nachvollziehen? Wie interessant ist der Topos für das Publikum in Monheim? Wie sehr bin ich als Komponist daran interessiert? Möchte ich mich mit dem Thema Wagner auseinandersetzen? Für mich ist klar, dass ‚Rheingold‘ eine der ersten Bordunmelodien überhaupt ist, dieses Orchestervorspiel von ‚Rheingold‘ ist diese natürliche Obertonreihe.“

Von Wagner und „Rheingold“ ist es nur ein kurzer Schritt in unsere Zeit und den aktuellen Fragen angesichts einer Welt im Krisenmodus. Wir alle fragen uns nach unserer wirtschaftlichen Situation. Wir alle fragen uns, welchen Einfluss Macht und Geld auf unser Leben haben. Wir alle machen uns Gedanken über das Zusammenspiel zwischen den „Global Players“ und den lokalen Herstellerinnen und Herstellern und dessen Auswirkungen auf die Arbeit im Allgemeinen. Wir alle müssen unsere eigene Rolle in diesen Prozessen immer wieder hinterfragen, gerade jetzt, wo wir in Zeiten des wirtschaftlichen und politischen Wandels leben.“

Alle Zitate stammen aus dem Artist Talk mit Thomas Venker im Rahmen der Prequel-Ausgabe 2021.

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