Phillip Sollmann © Lendita Kashtanjeva für Monheim Triennale
Photo: Phillip Sollmann © Lendita Kashtanjeva für Monheim Triennale

Phillip Sollmann (DE)

„Es ist eher eine Rückkehr zu den historischen Ursprüngen der Orgel vor etwa 4.000 Jahren in China, wo Mundorgeln aus Bambuspfeifen gebaut wurden. Sie hat nichts mehr mit einer christlichen Kirchenorgel gemein, sondern nutzt deren über Hunderte von Jahren verfeinerte Technik.“
Es ist faszinierend, dem Berliner Künstler Phillip Sollmann zuzuhören, wenn er über das Projekt „Modulares Orgelsystem“ spricht, das er zusammen mit seinem Künstlerkollegen Konrad Sprenger entwickelt.

Die Geschichte des „Modular Organ System“ ist ein ständiger Prozess des Experimentierens und Nachdenkens. Oder wie Sollmann sagt: „Es ist einfach das Ergebnis unserer Interessen und Arbeit der letzten Jahre. Wir haben beide mit mechanisch erzeugtem Klang experimentiert: Ich mit Sirenen und Brummkreisel, Konrad Sprenger in der Vergangenheit mit stimmbaren Orgelpfeifen.Wir sind eher trotzig und stellen immer wieder alle Aspekte in Frage: ‚Muss es denn so sein? Müssen die Pfeifen auf diese Weise gebaut sein? Ist die Verwendung von Blei wirklich entscheidend? Oder könnten wir nicht einfach Carbonfaserverwenden, die ungiftig und leicht ist?‘“
Es sollte bereits klar geworden sein, dass das „Modular Organ System“ nichts mit einer normalen Orgelanlage zu tun hat. Aber um ganz sicher zu gehen, dass wir das richtig verstanden haben, hören wir uns diese spezielle Sequenz der Künstler im Dialog in ihrem Studio im Berliner Wedding an:

Phillip Sollmann: „Sie hat ihren Ursprung in der Kirche, hat aber absolut nichts mit der religiösen Idee gemein, die hinter dem Einsatz einer Orgel während der Messe steht. Das ist für uns ein sehr wichtiger Aspekt. Wir befreien die Orgel aus ihrem religiösen Gefängnis und lassen sie in den Raum eintreten.“

Konrad Sprenger: „Wenn alle Pfeifen aufgebaut und theoretisch einsatzbereit sind, ist es so, als würde man vor einem Orchester stehen und sagen: ‚Die Posaune soll ein bisschen höher, ein bisschen tiefer sein‘. Wir können das an Ort und Stelle umsetzen, weil wir die tatsächlichen Instrumente dort haben.“

Phillip Sollmann: „Wenn ich höre, wie die Luft über die Zunge pfeift, berührt mich das auf eine ganz andere Art und Weise, als wenn ich denselben Klang über 20 Lautsprecher höre, auch wenn er fast genauso gut klingt. Vielleicht ist es sogar esoterisch oder so. Da ist eine Art von Körperlichkeit, die ich sonst nicht erlebe. Das ist das, was uns beide wirklich fasziniert.“

Konrad Sprenger: „Es ist jedes Mal ein Prozess, das System neu zu verstehen und dadurch langsam zu dem zu kommen, was wir wollen.“

Alle Zitate stammen aus dem Artist Talk mit Thomas Venker im Rahmen der Prequel-Ausgabe 2021.

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